Erfolgsvoraussetzungen Üben | Motivation

Gitarrenlehrerin Klavierlehrerin

 

1. Kann jeder ein Instrument erlernen?

Um ein Instrument wirklich gut spielen zu können, ist geduldiges jahrelanges Üben zu Hause notwendig. Der noch so professionelle Klavierunterricht oder Gitarrenunterricht durchschnittlich 3x pro Monat kann dafür nirgends ausreichen. Vielmehr bedarf es regelmäßiger Wiederholungen zu Hause am eigenen Instrument, um vorwärts zu kommen, da ansonsten bis zur nächsten Unterrichtsstunde fast alles wieder vergessen wird und nicht vertieft werden kann. Ohne kontinuierliches Spielen zu Hause lässt die Motivation sehr schnell nach, wenn demzufolge kein Stück richtig gelingen kann.

Instrumentalunterricht ist nicht zu verwechseln mit anderen Hobbies, zu denen 1x wöchentlich  hingegangen wird ohne weitere Bemühungen. Auch bleibt bei mehreren anderen parallelen Hobby-Nachmittagsaktivitäten in der Regel kaum Zeit zum Instrument-Üben, was im Vorfeld mit bedacht werden sollte.

2. Können Grundschulkinder allein üben?

Grundschulkinder benötigen zum Klavierlernen oder Gitarrelernen die Unterstützung ihrer Eltern, da die meisten noch nicht allein üben können. Hierzu werden in ein Aufgabenheft jede Stunde Anleitungen für die Eltern geschrieben und in die Noten des Kindes mit Bleistift Anmerkungen gezeichnet. Die Eltern brauchen selbst nicht Klavier oder Gitarre zu spielen, um mit ihrem Kind üben zu können.

3. Gibt es Mindestübezeiten?

Als Mindest-Übezeiten für den Hausgebrauch ohne professionellen Anspruch
werden 3x pro Woche 30 Minuten oder täglich 15 Minuten genannt, wenn nur einfache Anfänger-Stücke gespielt werden möchten, was ausreichen kann, um mit Freude seine Freizeit zu verbringen.
Je komplexere Stücke und je besser man spielen will, desto häufiger und länger sitzt man zu Hause am Instrument. Wer nahezu täglich übt, kommt schneller vorwärts und erfreut sich eher an seinen Spielerfolgen.

4. Wenn sich das Kind nicht motivieren lässt

Wenn sich Ihr Kind gar nicht motivieren lässt, auch außerhalb des Unterrichtes zu spielen und zu üben, wird es das Instrument leider nicht erlernen können. Ebenso, wenn es nicht von sich aus im Unterricht motiviert mitmachen möchte.

Setzen Sie aber Ihr Kind nicht unter Druck, wenn es mal ab und zu nicht üben möchte, da es dann höchtswahrscheinlich ganz die Lust verliert. Erklären Sie ihm sachlich, dass es seine eigene Entscheidung ist, wie gut und wie schnell es Klavier oder Gitarre spielen können möchte und dass dies davon abhängt, wie oft es am Instrument sitzt, wofür Sie ihm die Verantwortung übertragen und es lediglich ans Üben erinnern und dabei begleiten.

Geben Sie ihrem Kind zu Bedenken, dass sich der Klavierunterricht oder Gitarrenunterricht leider erübrigt, wenn kaum zu Hause gespielt wird, da man dann das Instrument nicht spielen lernen wird.

5. Üben für professionelle klassische Klaviermusik

Wer anspruchsvolle klassische Klaviermusik spielen möchte, übt bereits zu Beginn ab zirka 1. Klasse eine Stunde täglich, ab zirka 6. Klasse zwei Stunden täglich.
Wer später Klavier als pianistisch-künstlerisches Hauptfach (klassische Musikrichtung) an einer Hochschule für Musik studieren möchte, braucht zirka 10 Jahre Vorbereitungszeit, um die Aufnahmeprüfung zu bestehen und übt in der höheren Gymnasialzeit täglich ca. 3 Stunden.

Im Studium sind es oft extreme 4-6 Stunden täglich, und selbst die „fertigen“ klassischen Pianisten üben täglich mehrere Stunden, um das Niveau zu halten und Konzerte geben zu können. Es ist noch kein Pianist vom Himmel gefallen ;-), auch wenn das auf der Bühne oft so aussieht.

Im Fach klassische Gitarre sind die Anforderungen etwas geringer, und in der Fachrichtung populare Musik/ Unterhaltungsmusik fangen auf beiden Instrumenten auch viele Späteinsteiger an und kommen mit kürzerer Übungszeit aus.

6. Warum lernen die Menschen unterschiedlich gut?

Warum lernen nicht alle gleich gut Klavier oder Gitarre spielen? Warum spielen beim selben Lehrer die einen Schüler mit Freude hervorragend nach kurzer Zeit das Instrument, während einige andere jahrelang im Anfängerstatus bleiben? Das ist ähnlich wie in der Schule: Kognitive Denkstrukturen, Auffassungsgabe, Lernwille und eigener Antrieb zum Üben sind nicht bei jedem Menschen gleichermaßen ausgeprägt.

Der Lehrer kann  freundlich vorzeigen, wie es geht, gute Erklärungen und motivierende Anstöße zum Klavierlernen oder Gitarrelernen geben, sowie den Lernstoff an den jeweiligen Schüler und dessen musikalische Vorlieben anpassen.
Das Lernen an sich liegt dann beim Schüler selbst. Kein Lehrer kann, wie manchmal fälschlicherweise angenommen wird, das Instrumentespielen einfach spielerisch in den Schüler hineintrichtern, ohne dass die entsprechenden kognitiven Voraussetzungen und ein fleißig motivierter Übewille oder die gegebenenfalls noch erforderliche Unterstützung der Eltern gegeben wären.

7. Woher kommt die Motivation?

Oft gibt es Vorbilder oder bestimmte Stücke, die man gern hört und auch spielen können möchte, und der Klang der Instrumente wird als so schön empfunden, dass man diesen selbst erzeugen möchte.
Kinder verbinden mit dem Instrumentlernen aber oft noch keine konkreten Vorstellungen und richten sich vielleicht nach den Wünschen der Eltern oder den Anforderungen der Lehrer, was auf Dauer nicht die einzigen Gründe bleiben können, wenn die sonstige eigene Motivation oder bestimmte Anreize fehlen.
Wenn zu Hause öfter Klavier- oder Gitarrenmusik gehört oder angesehen wird (z.B. auf youtube) oder entsprechende Konzerte besucht werden, kann dies enorm zur Motivation beitragen oder überhaupt erst die Lust wecken. Ohne diese Anreize wissen Kinder oft nicht, wofür man ein Instrument spielen lernen kann.

Nicht allen Menschen bereitet es Freude, ein Instrument zu spielen und dafür nahezu täglich zu üben. Es gibt Kinder, die nur aus einem Pflichtgefühl heraus und eher lustlos üben und sich ansonsten nie zum Zeitvertreib mal ans Instrument setzen. Und es gibt andere, denen Klavier- oder Gitarrenmusik große Freude bereitet und die den Willen verspüren, bestimmte Stücke selbst gut spielen zu können, weshalb sie regelmäßig üben und spielen. Letzteres entscheidet darüber, ob und wie gut man ein Instrument erlernt.



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